Deutschland – 819 Millionen Euro Unterhaltsvorschuss pro Jahr

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Unterhalt für Kinder wird in Deutschland stark bevorschusst. (Fotoquelle: nationalflaggen.de)

(Wien, im Jänner 2011) Wer meint, 112 Millionen Euro aufgewendetes Geld für Unterhaltsvorschuss für Kleinkinder und Jugendliche, die in Österreich 2010 aus dem Steuertopf umgewidmet wurden, sei viel, täuscht sich. Man sollte zum „großen Bruder“ nach Deutschland blicken.

Dort wurden im Jahr 2009 laut Angaben des Familienministeriums 819 Millionen Euro an Steuermitteln aufgewendet, um die Zahlungsausfälle von säumigen Vätern und (in Minderheit) Müttern auszugleichen. Ein Drittel des Kompensationsgeldes ist Bundesbudget, der Rest wird von den 16 Bundesländern in den Sozialtopf umgeleitet.

Dauereinrichtung

Der Unterhaltsvorschuss wurde vor 30 Jahren in Deutschland als kurzfristige Überbrückung bei Zahlungsschwierigkeiten des nichtobsorgeberechtigten Elternteiles eingeführt und ursprünglich auf 36 Monate Dauer limitiert. Mittlerweile wird der Unterhaltsvorschuss sechs Jahre lang bezahlt und hat sich im Sozialsystem Deutschlands verfestigt. Galt Unterhaltsvorschuss in Deutschland ursprünglich nur für Kleinkinder, wird das Modell auf bis 14-Jährige ausgebaut.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Rückholquote des Darlehens: Im gesamten Bundesgebiet liegt sie bei weniger als 20 Prozent. 80 Prozent der 819 Millionen Euro sind verschenktes Geld.

665 Millionen Euro verschenkt

Die Zeitschrift „Focus“ errechnete die fünf Bundesländer und zwei Städte, die am Meisten für Väter aufbringen (Zahlen für das Jahr 2009):

  • 1. Land Nordrhein-Westfahlen zahlt 200 Millionen Euro Unterhaltsvorschuss und holt 18.8 Prozent per Exekution wieder zurück.
  • 2. Land Bayern zahlt 79.1 Millionen Euro und holt am Meisten, 33.6 Prozent, wieder zurück.
  • 3. Land Baden-Württemberg zahlt 67 Millionen Euro und holt 28.9 Prozent wieder zurück.
  • 4. Stadt Berlin zahlt 55.9 Millionen Euro und holt fast nichts, nämlich 13.5 Prozent, wieder zurück.
  • 5. Stadt Hamburg zahlt rund 50 Millionen Euro und holt mittels Anwaltsinkasso wenig (rund 15 Prozent) zurück.
  • 6. Land Brandburg zahlt 31 Millionen Euro und holt 14.2 Prozent wieder zurück.
  • 7. Land Mecklenburg-Vorpommern zahlt 25.6 Millionen Euro und holt 13.7 Prozent wieder zurück.

Die Rückholquote in Österreich war 2010 bei 48 Prozent. In Deutschland liegt sie im Gesamtschnitt bei knapp 20 Prozent. 80 Prozent waren für immer verloren. Das sind 655 Millionen Euro pro Jahr.

Die Gründe, warum gewaltige Summen pro Jahr in Unterhaltsvorschuss gepresst werden und als Staatsgeld auf immer verloren gehen, sind hier wie dort gleich: Mangelnde Bindungskünste unter den Eltern, unterschobene Kuckuckskinder durch Frauen und damit verbundene Streitigkeiten, Sozialbetrug (Paar lebt offiziell getrennt, inoffiziell aber nicht – um doppelt zu kassieren), „plötzliches“ Verarmen der Männer (viele Fälle bekannt), Explosion der Scheidungsraten im binationalen Bereich (Schleuserthematik), Überschätzen der Fähigkeiten (Kinder machen ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr. – Der Finanzplan für danach fehlt oft), die Obsorgethematik (wenig gemeinsame Obsorgen nach Scheidungen, dafür viel Zank), Besuchsrechtsverletzungen durch Mütter als Ursache für Zahlungsstopp durch Väter, Zunahme von nicht-ehelichen Kindern und die Problematik des relativ rechtsfreien Raumes danach (in Österreich wie Deutschland), Zunahme der Fertilität bei Personen mit Migrationshintergrund (Fertilität bei Österreichern: 1.6 Kinder, bei Nicht-Österreichern: 2.8) bei gleichzeitiger Zunahme der Scheidungsquote in diesem Sektor.

Insoweit ist nicht davon auszugehen, dass die Unterhaltsvorschüsse in Zukunft weniger werden. Eher mehr.

Marcus J. Oswald

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